Mark der Erzbischof von Berlin und Deutschland hat unsere Diözese besucht

Mark der Erzbischof von Berlin und Deutschland hat unsere Diözese besucht

Seine Eminenz Mark, der Erzbischof von Berlin und Deutschland, hat am ersten Sonntag im Juli unsere Gemeinde besucht und die Heilige Liturgie geleitet.

Die Ankunft von Vladyka ist für uns ist immer ein großes Ereignis, deswegen hat man die Vorfreude über das Wiedersehen schon einige Wochen im Voraus verspürt. Mit Begeisterung und großer Verantwortung haben sich unsere Brüder und Schwestern auf diesen Tag vorbereitet, indem sie organisatorische Aufgaben und aufgeteilt und durchgeführt hatten.

Gleich früh am Morgen herrschte in der Gemeinde eine besondere Atmosphäre der feierlichen Aufregung. Alle – Erwachsene und Kinder – waren festlich gekleidet und sogar unsere kleine Kirche war besonders schön in den Farben Rot und Gold geschmückt – wie eine russische Braut im Sarafan!

Dass der Oberhirte unserer Gemeinde angekommen ist, haben die Glocken durch die ganze Gegend getönt. Bittend um seinen Segen, sind kleine Kinder mit Freude dem Erzbischof entgegengelaufen und am Kircheneingang wurde er von unseren Brüdern und Schwestern nach der alten Tradition mit Brot und Salz empfangen.

Nachdem Vladyka das Heilige Kreuz geküsst hatte, nahm er seinen Platz auf der Kathedra ein und begleitend vom süßen Gesang des Kirchenchors hat die feierliche Bekleidung in liturgische Gewänder angefangen, wobei jedes einzelne Detail eine lange Geschichte und seine besondere Bedeutung hat. Die Erkennung und Besinnung dessen hat unsere Seelen mit Bewunderung und einem besonderen Respekt an die tausendjährige Ordnung erfüllt, welche ihren Anfang noch bei den Aposteln nimmt.

Der Gottesdienst verlief majestätisch und sehr feierlich. Der Erzbischof segnete uns mehrmals vom Ambon mit Dikirion und Trikirion, das Samt-Baryton des Diakons Vater Bartholomeus umhüllte die Kirche, der Gesang vom Kirchenchor war sehr schön und wohlklingend. Besonders viele Menschen nahmen an der heiligen Liturgie teil – sowohl Gemeindemitglieder, als auch diejenigen, die zum ersten Mal gekommen sind. Unsere Herzen flammten im Gebet auf und wir alle wurden durch eine besondere Freude erfüllt, wie zu Ostern. Genau so hat Vladyka den damaligen Sonntag bezeichnet, in dem sich mehrere Feiertage vereint hatten: Denn jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest, genauso wie das Kirchenweihfest und da der Erzbischof aufgrund eines traditionellen Gottesdienstes in Berlin unsere Kirche zum Feiertag der Mariä-Schutz und Fürbitte nicht besuchen kann, wurde im Voraus das Polychronion („Viele Jahre“) gesungen.

Als ein fürsorglicher Hirte hat Vladyka nicht vergessen diejenigen zu belohnen, die sich sonderlich viele Mühe für die Mutter-Kirche und die Wohl unserer Gemeinde gegeben hatten. So wurde dem Vater Georgij eine besondere Auszeichnung für seinen eifrigen Dienst verliehen, die Epigonation (oder Palitsa) tragen zu dürfen. Drei unserer Brüder wurden mit einer Dankurkunde des Erzbischofs ausgezeichnet: Artemij Sautner (Sekretär des Kirchenrates), Bozhic Predrag (Mitglied des Kirchenrates) und Pereligin Andrej (Wohltäter). Aus Dankbarkeit zu unserer Gemeinde und als ein Zeichen des Respekts hat unser Batjuschka nach dem Gottesdienst dem Erzbischof Mark einen Adlerteppich überreicht, welcher als Symbol des hohen Fluges der Erzbischofsmacht gilt.

Bei der gemeinsamen Mahlzeit waren wir wieder wie eine große Familie. Unsere lieben Frauen haben sich in der Tat sehr bemüht, besonders leckere Gerichte zu solch einem feierlichen Anlass zuzubereiten! Wie vielfältig kann die Küche auch in der Fastenzeit sein! Später hat Vater Georgij erzählt, dass sogar manche Schwestern, die aus verschiedenen Gründen eher selten sonntags in die Kirche gehen, immer den Erzbischof mitempfangen und besondere Speisen mitbringen. Dies zeugt von einer großen Liebe der Gemeindemitglieder zu ihrem Oberhirten und von einer guten Tradition in der Gemeinde, sich um einander zu kümmern.

Nach der Mahlzeit haben unsere Kinder mit ihren Eltern ein Konzert zum Anlass des hohen Besuchs organisiert. Alle, die teilgenommen haben, wollten dem Erzbischof durch Musikstücke und Gedichte zu geistlichen Themen große Freude bereiten.

An dem Tag hat uns Vladyka viel Interessantes und Lehrreiches erzählt – sowohl während der Predigt, als auch danach beim Essen. Erklärend den Sinn des in der Liturgie gelesenen Evangeliums von Matthäus über zwei Besessenen hat er bemerkt, dass wir uns immer demjenigen ähneln, dem wir dienen – dem Gott oder dem Teufel. Er hat auch betont, dass ohne unser Einverständnis keine Sünde in unsere Herzen eintreten kann. Später berichtete er uns über einige Begebenheiten im Leben eines der Lieblingsheiligen mit – Johannes von Schanghai. Vladyka kannte manche Geistliche, denen ihr Amt von diesem Heiligen persönlich erteilt wurde, denn Johannes von Schanghai ist ja ein Heiliger bereits aus unserer Zeit. Es war auch aus den Erzählungen vom Erzbischof zu spüren, wie ehrfürchtig und höchst respektvoll er die Traditionen der Russischen Orthodoxen Kirche behandelt und selbst diese behütet.

Vladyka hat uns auch seinen Kummer über die Lage mit der Ikone von Kursk «Von der Wurzel» mitgeteilt: Leider gibt es in vielen Gemeinden eine Tendenz, dass sich die Gläubigen an das Heiligtum „gewöhnt“ haben. Zum Beispiel für die Gläubigen in Russland, Kasachstan, in der Ukraine oder Belarus ist es eine große Ehre, die Ikone in ihrer Gemeinde empfangen zu dürfen und sie sind sogar bereit, über 28 Stunden in der Schlange zu stehen, um diese Ikone mit eigenen Augen sehen zu können. Doch in vielen Gemeinden unserer Diözese ist es nicht nur so, dass sich keine langen Schlangen bilden, sondern sehr oft sogar so, dass die Gemeindemitglieder die Ankunft der Ikone ignorieren und gar nicht kommen, um neben ihr zu beten. Es ist aber zu betonen, dass um die Ikone in eine Gemeinde sogar nur auf kurze Zeit bringen zu können, der Erzbischof und die Organisatoren des Reiseplans der wundertätigen Ikone viel Zeit und Kräfte investieren müssen.

Für mich persönlich war es das erste Mal, dass ich den Erzbischof Mark gesehen hatte. Da ich die allgemeine Vorfreude der anderen in den letzten Wochen sehr intensiv gespürt hatte, konnte ich kaum erwarten, ihn endlich zu treffen. Gleich in den ersten Minuten nach seiner Ankunft sind mir sein lebendiger Blick und sein herzliches Lächeln aufgefallen. Als ich gesehen habe, wie gern er die Kinder vor der Kirche segnet, habe ich das Gefühl bekommen, dass ich ihn schon lange kenne. Seine Körperhaltung und konzentrierter Gesichtsausdruck während der Heiligen Liturgie zeugen davon, wie ernst dieser Mann das Gebet und sein Amt nimmt. Über solche Menschen sagt man, er wäre ein echter Hirte, der volle Verantwortung für Menschen trägt, die ihm der Gott anvertraut hatte. Er wäre ein echter Beter, der sich in ständiger Zwiesprache mit dem Gott befindet – während und außerhalb des Gottesdienstes. Gleichzeitig hat Vladyka alles bemerkt und mit großer Aufmerksamkeit die Gläubigen behandelte.

Wir können nur hoffen, dass es dem Erzbischof an dem Tag genauso gut mit uns ging, wie uns mit ihm. Er hat in unsere Gemeinde echtes Fest mitgebracht und hat uns an die Freude des Ostersonntags erinnert, also an die Freude, die wir immer in unseren Herzen tragen sollten. Ein neues Wiedersehen mit Vladyka können wir kaum erwarten!

Viktoria Altendorfer

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