Aufruf des Pfarrers an die Gemeindemitglieder

Liebe Brüder und Schwestern!

In den letzten Tagen hat sich unser Leben sehr rasch verändert. Einerseits gehen wir gerade durch die Große Fastenzeit, andererseits haben wir zum ersten Mal in unserem Leben mit einem gefährlichen Virus zu tu. Dazu kommt der gewaltige Informationsdruck, welchen die Medien ununterbrochen auf uns ausüben. In einer solchen Situation ist es für uns, schwache und kleingläubige Menschen, die Ruhe zu bewahren.

Unsere Kirche lehrt uns, dass die Kraft Gottes in den Schwachen mächtig ist. Jetzt, wo unser Glaube, unsere Liebe und Hoffnung auf die Probe gestellt werden, scheinen wir besonders schwach zu sein. Jesus sagt uns „ohne Mich könnt ihr nichts tun“ und meint, wir könnten nichts Gutes ohne seine Unterstützung vollbringen. Eben diese Worte zeigen uns, wie vergeblich die Versuche der Menschheit sind, irgendetwas ohne den Schöpfer zu machen. Deswegen müssen wir uns heute in erster Linie an den Gott wenden, ihn bitten und erfüllt vom Glauben und Hoffnung seine Hilfe erwarten.

Wir dürfen aber dabei eine alte russische Weisheit nicht vergessen, welche besagt: „Verlasse dich auf Gott, aber bleibe selbst wachsam. Das bedeutet, wir sollen die Hygienevorschriften sowie die von der Regierung festgelegten Maßnahmen befolgen, um sich und andere zu schützen. Gleichzeitig sollten alle, die Gott lieben, ihr Leben nach den göttlichen Gesetzen und geistigen Regeln gestalten. Zum Beispiel nicht nur die Hände mindestens 30 Sekunden lang waschen, sondern auch die Seele durch das Jesusgebet reinigen; nicht nur viel Heißes trinken, sondern auch heiß und inbrünstig beten, sowie täglich neue Kräfte im Evangelium und in den Psalmen schöpfen.

Während der Fastenzeit ist es empfohlen, auf reichhaltiges Essen sowie unterhaltende Vergnügungen zu verzichten. Jeder entscheidet für sich, ob er oder sie dies befolgen möchte. Alles hängt von uns ab: Entweder erhören wir das leise Flüstern Gottes „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an“, oder handeln wir wie die Heiden aus dem Alten Ägypten, welche durch ihre Taten und Unglauben noch mehr Leiden anlockten.

In diesen schwierigen Zeiten bemüht sich unsere Regierung darum uns zu beschützen. Deswegen wurden mehrere Veranstaltungen und Versammlungen verboten, dazu gehören leider auch die Gottesdienste. Das sind notwendige Maßnahmen und ich bitte euch, meine Lieben, diese nicht zu verurteilen.

Eine Fastenzeit bedeutet für alle gläubigen Menschen nicht nur Einschränkung im Essen und Trinken, sondern auch Teilnahme and der Heiligen Eucharistie. Zuerst sollte man aber ehrlich seine falschen Taten bereuen, ehrlich büßen. Heutzutage sind wir berufen, noch ein Element der Fastenzeit auszuüben und zwar die Gehorsamkeit, welche der erste Mensch im Paradies verloren hatte. Wenn man nicht gehorsam ist, kann das zu einer Tragödie führen.

Noch vor einem Monat konnten wir uns nicht einmal vorstellen, auf welche harte Proben wir nun gestellt werden: Konnten wir uns vorstellen, dass wir so plötzlich keine lebendige Predigt erleben können, dass wir uns so sehr nach unserer kleinen Kirche sehnen würden, sowie nach der Möglichkeit, zusammen mit dem Chor zu beten und dabei leise Lobenshymnen zum Himmel zu schicken?

Momentan ist in den meisten Gemeinden Europas, nach den Erlässen ihrer Bischöfe, die Heilige Liturgie in der geschlossen und leeren Kirche zu feiern. Aber auch dafür sei unser Gott gelobt! Dennoch gibt es einzelne Kirchen, wo überhaupt keine Liturgie stattfinden darf, und man hat nicht einmal die Möglichkeit, die im Voraus vorbereitetet heiligen Sakramente zu empfangen.

Solche Umstände sind nicht neu in der Kirchengeschichte. Lasst uns an die Heilige Maria von Ägypten denken, deren Andacht in wenigen Tagen gefeiert wird. Auch die Mönche der Jerusalemer Klöster sind nach der Kommunion am Sonntag der Vergebung in die Wüste gegangen sind, um dort bis zum Palmsonntag zu fasten. Erst nachdem sie sich sehr bemüht hatten durften sie die die Heilige Kommunion empfangen. Wir sollten auch unsere Demut üben und den Heiligen Makarios Ägypter als Vorbild haben, der eben durch seine Demut der Versuchung widerstehen konnte.

Damit ihr den Kopf nicht hängen lässt und ohne die Hilfe durch die heiligen Sakramente wie Beichte, Kommunion und Salbung kleinmütig werdet, werden diese zu verschiedenen Zeiten erteilt. Dies soll aber nur in sehr dringenden Fällen passieren, alle Risiken und Verhaltensregeln sollen besprochen werden, sowie der vorgeschriebene Abstand soll gehalten werden. Bis dahin wird allen Gläubigen empfohlen, Antidoron und Weihwasser auf nüchternen Magen zu sich zu nehmen.

Ich ersuche euch am Ende dieser schwierigen Periode und vor diesen Sakramenten tief in eure Herzen und Gewissen zu sehen, tüchtig und eifrig die Bußekanons zu lesen. Nun haben wir alle mehr Zeit dafür! Betet, dass wir während dieser Quarantäne dem Gott näher werden könnten.

Eben jetzt fangen wir an zu verstehen, dass wir jeden Moment unseres Lebens, unsere Beziehungen sowie die Nächsten, aber auch natürlich unsere Kirche und natürlich die Möglichkeit des gemeinsamen Gebetes schätzen müssen.

Ich habe schon seit langem nachgedacht, wie ich die o.a. Handlungen realisieren könnte, aber dadurch, dass die Anzahl der Erkrankten ständig gestiegen war und sich die Situation im Land rasch geändert hatte, konnte ich nichts früher festlegen. Dazu kommt auch die Gefahr, dass jeder Priester selbst angesteckt, oder ungewollt zum Träger des Virus werden kann: Obwohl jeder Priester eine besondere Gnade Gottes durch die Weihe erhalten hatte, ist er doch noch immer nur ein Mensch. Deswegen bitte ich euch, damit niemand angesteckt und krank wird, sehr aufmerksam und fürsorglich zu sich selbst und zu den anderen zu sein. Man soll aber natürlich dabei vernünftig bleiben und nicht in Panik geraten.

Wenn der Gott es so will, habe ich also vor:

  1. Samstags und sonntags, Damit der Altar nicht leer steht und trotzdem durch die Sakramente der Eucharistie geweiht wird, werde ich die Heilige Liturgie in unserer Kirche ohne Besucher feiern;
  2. Montags, mittwochs und freitags: In sehr dringenden Fällen die Kirchenmitglieder zuhause zu besuchen um die Kommunion zu erteilen (und auch wahrscheinlich zu salben – Jeleosvecenje). Dabei sollen aber die derzeit gültigen Vorschriften eingehalten werden;
  3. Dienstags und donnerstags: Einen Bittgottesdienst für den Schutz während der Epidemie «во время губительного поветрия и смертоносныя заразы» abzuhalten. Ihr könnt euch natürlich von zuhause diesem Gebet anschließen und somit die Kraft des gemeinsamen Gebets stärken;
  4. Jeden Tag: Einen Bittgottesdienst für die Gesundheit der Kranken sowie einen Gedenkgottesdienst abzuhalten. Die Namen der Menschen, für die gebetet werden soll, sowie eine Anmeldung für die Sakramente können über unsere Webseite eingereicht werden.

Bitte, seid vernünftig, demütig und geduldig. Übt euch im Dienst unseres Herrn und werdet besser im Fasten und Beten. Und möge Gott unsere Bemühungen sehen und dafür uns seine Gnade, Heilung und seinen Trost senden!

Ich bitte um eure Gebete auch für mich,

Sünder und euer Priester Georgij Kharlov,

der immer für euch betet.

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